Zum Inhalt springen
EchsenkundeReptilien-Ratgeber

Bartagamen

Bartagame frisst nicht: Winterruhe oder krank?

Von 5 Min. Lesezeit

Bartagame mit hellem, stacheligem Bart sitzt ruhig vor einer dunkelroten Felswand
Foto: aixklusiv / Pixabay

So entsteht dieser Ratgeber: mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben, von Erdi Doğan anhand der unten genannten Quellen geprüft und überarbeitet. Unsere Arbeitsweise

Inhalt dieser Seite

Frisst Ihre Bartagame im Herbst kaum noch und schläft viel, ist das oft die Winterruhe. Sicher ist das aber nicht: Von außen sieht eine ruhende Bartagame genauso aus wie eine kranke. Der Tierarzt Hermann Kempf rät deshalb, bei ungewöhnlich frühem Beginn oder langer Dauer das Blut untersuchen zu lassen. Verliert das Tier Gewicht, gehört es in jedem Fall in die Praxis. Diese Seite gehört zu unserem Ratgeber Bartagame halten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Bartagamen finden ihren eigenen Rhythmus für die Winterruhe. Manche ziehen sich schon im August zurück, andere schlafen im März noch.
  • Während der Ruhe: 16 bis 18 °C, kein künstliches Licht, ein ruhiger Ort. Wasser und eine Futterpflanze stehen trotzdem bereit.
  • Weniger fressen ist normal, abnehmen nicht. Wiegen Sie Ihr Tier regelmäßig.
  • Vor der ersten Winterruhe und bei Zweifeln: Tierarztpraxis mit Reptilienerfahrung.

Was ist die Winterruhe?

Bartagamen stammen aus Zentralaustralien. Dort sind die Sommer heiß und trocken, mit 30 bis 40 °C. Im Winter wird es kühler und regnerisch, mit 10 bis 20 °C. In dieser Zeit fahren die Tiere ihren Stoffwechsel herunter, bewegen sich kaum und fressen wenig. Fachleute nennen das Winterruhe oder Brumation. Nach den Tierärzten von VCA ziehen sich Bartagamen in der Natur zurück, wenn die Temperaturen über Wochen bis Monate unter etwa 10 °C fallen.

Auch im Terrarium zeigen viele Bartagamen diese Ruhephase, obwohl Licht und Wärme gleich bleiben. Kempf beschreibt, dass sich die meisten Tiere von Temperatur- und Lichtprogrammen der Halter kaum beeinflussen lassen. Der Schweizer Tierschutz zählt die Winterruhe zu den artspezifischen Ansprüchen, die Halter berücksichtigen müssen.

Bartagame mit orangefarbenem Kopf liegt ruhig an einen bemoosten Stein gelehnt
In der Ruhephase bewegt sich eine Bartagame kaum und sucht sich einen geschützten Platz. Foto: TheOtherKev / Pixabay

Winterruhe oder krank?

Das ist die schwierigste Frage, und eine ehrliche Antwort lautet: Am Verhalten allein lässt sie sich nicht klären. Kempf schreibt, dass von außen kein Unterschied zwischen ruhenden und kranken Tieren festzustellen ist. Nur eine Untersuchung der Blutwerte trennt beides sicher. Die Tierärzte von VCA raten ebenfalls, ein ungewöhnlich träges Tier, das nicht frisst, vorzustellen, statt einfach Winterruhe anzunehmen.

BeobachtungEinordnung
Frisst weniger, schläft viel, Gewicht bleibt stabil✓ passt zur Winterruhe
Zieht sich schon im August zurück oder schläft im März noch! kommt vor, Blutuntersuchung empfohlen
Verliert Gewicht, Hüftknochen treten hervor✗ nicht normal, zur Tierarztpraxis
Weibchen mit dickem Bauch frisst nicht und wird matt✗ Verdacht auf Legenot, sofort zur Praxis
Durchfall, Schleim im Maul, Atemgeräusche✗ Krankheitszeichen, zur Praxis

Ein Hinweis zum Gewicht: Bei abgemagerten Bartagamen treten die Hüfthöcker deutlich hervor, bei gesunden sind sie höchstens zu erahnen. Fallen zusätzlich die Kaumuskeln am Kopf ein, hat das Tier kaum noch Reserven. Mehr zu Krankheitszeichen steht auf unserer Seite Bartagame krank?

So begleiten Sie die Winterruhe

  1. Vorher untersuchen lassen

    Eine Bartagame sollte gesund und gut genährt in die Ruhe gehen. Lassen Sie vorher den Kot auf Parasiten untersuchen und das Tier in einer Praxis mit Reptilienerfahrung anschauen. Wiegen Sie es und notieren Sie das Gewicht.

  2. Den Rhythmus des Tieres annehmen

    Zieht sich Ihre Bartagame zurück und frisst weniger, zwingen Sie sie nicht mit mehr Wärme zum Fressen. Umgekehrt müssen Sie keine Ruhe erzwingen, wenn das Tier aktiv bleibt.

  3. Kühl, dunkel, ruhig

    Kempf empfiehlt während der Winterruhe 16 bis 18 °C ohne künstliche Beleuchtung an einem ruhigen Ort. Die Wärme- und UV-Lampen bleiben in dieser Zeit aus.

  4. Wasser und Futter anbieten

    Frisches Wasser und eine Futterpflanze stehen bereit, falls das Tier die Ruhe zwischendurch unterbricht.

  5. Regelmäßig wiegen

    Die RSPCA betont, dass eine Bartagame in der Ruhephase nicht abnehmen und nicht ganz aufhören darf zu fressen. Verliert sie Gewicht, rufen Sie die Praxis an.

  6. Aufwachen lassen

    Wird die Bartagame wieder aktiv, schalten Sie Licht und Wärme wieder ein und bieten Wasser und Futter an. Frisst sie nach dem Aufwachen nicht, lassen Sie sie untersuchen.

Eine feste Dauer gibt es nicht. Wichtiger als der Kalender ist das Gewicht: Notieren Sie es jede Woche, dann sehen Sie früh, wenn etwas nicht stimmt.

Andere Gründe, warum eine Bartagame nicht frisst

  • Zu kalt: Reptilien brauchen Wärme zum Verdauen. Ist es im Terrarium zu kühl, verlangsamen sich Stoffwechsel und Verdauung, und die Abwehrkräfte lassen nach. Prüfen Sie die Temperaturen mit zwei Thermometern, wie im Ratgeber Terrarium und Technik beschrieben.
  • Eiablage: Ein trächtiges Weibchen frisst oft nicht, bleibt aber wach und aufmerksam. Wird es matt oder reagiert kaum, kann eine Legenot vorliegen. Mehr dazu auf der Seite Männchen, Weibchen und Eiablage.
  • Krankheit: Parasiten, Verstopfung und viele andere Erkrankungen zeigen sich zuerst als Appetitlosigkeit.
Braune Bartagame liegt flach auf dem Bauch und schaut in die Kamera
Ein ruhiges Tier mit stabilem Gewicht ist meist kein Grund zur Sorge. Nimmt es ab, sollte die Praxis nachsehen. Foto: garten-gg / Pixabay

Wann zum Tierarzt?

  • Die Bartagame verliert Gewicht oder frisst über Wochen gar nichts.
  • Die Ruhe beginnt ungewöhnlich früh oder dauert ungewöhnlich lange. Eine Blutuntersuchung klärt, ob das Tier ruht oder krank ist.
  • Ein Weibchen mit dickem Bauch frisst nicht und wird matt.
  • Das Tier frisst nach dem Aufwachen nicht wieder.
  • Sie sind unsicher, ob Ihr Tier ruht, schwer krank ist oder nicht mehr lebt: Rufen Sie sofort eine Praxis an.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Winterruhe bei Bartagamen?

Das ist von Tier zu Tier verschieden. Manche ziehen sich schon im August zurück, andere schlafen im März noch. Eine ungewöhnlich lange Ruhe sollte eine Tierarztpraxis abklären.

Welche Temperatur braucht eine Bartagame in der Winterruhe?

Der Tierarzt Hermann Kempf empfiehlt 16 bis 18 °C ohne künstliche Beleuchtung an einem ruhigen Ort, mit Wasser und einer Futterpflanze in Reichweite.

Winterruhe oder tot: Woran erkenne ich das?

Am Verhalten allein lässt sich nicht einmal Ruhe von Krankheit sicher unterscheiden. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Tier ruht, krank ist oder nicht mehr lebt, rufen Sie sofort eine Tierarztpraxis mit Reptilienerfahrung an.

Muss eine Bartagame Winterruhe halten?

Die meisten Tiere bestimmen ihren Rhythmus selbst. Bleibt Ihre Bartagame aktiv, frisst und hält ihr Gewicht, müssen Sie keine Ruhe erzwingen.

Quellen

  1. Hermann Kempf (Tierarzt): Bartagamen in der Praxis – eine Einführung, news4vets 04/2021, S. 8–13
  2. VCA Animal Hospitals, G. Rich, L. Hess, R. Axelson (DVM): Bearded Dragons: Housing
  3. VCA Animal Hospitals: Bearded Dragons: Problems
  4. RSPCA: Bearded dragon care
  5. BLV / Schweizer Tierschutz STS: Reptilien: Passende Gehege und die richtige Einrichtung (2018)

Mehr zum Thema: Bartagamen: die Übersicht

Weitere Themen