Zum Inhalt springen
EchsenkundeReptilien-Ratgeber

Bartagamen

Bartagame Männchen oder Weibchen? Geschlecht und Eier

Von 5 Min. Lesezeit

Bartagame mit grau-braunen Schuppen und stacheligem Bart in Nahaufnahme von der Seite
Foto: Scottslm / Pixabay

So entsteht dieser Ratgeber: mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben, von Erdi Doğan anhand der unten genannten Quellen geprüft und überarbeitet. Unsere Arbeitsweise

Inhalt dieser Seite

Ob eine Bartagame ein Männchen oder ein Weibchen ist, zeigt sich an der Schwanzwurzel: Hebt man den Schwanz an, treten bei Männchen zwei Wülste hervor, die Hemipenes. Nach dem Tierarzt Hermann Kempf sind sie bei dieser Haltung selbst bei frisch geschlüpften Jungtieren deutlich zu sehen. Das Verhalten hilft zusätzlich: Männchen nicken auffällig mit dem Kopf und färben den Bart dunkel. Diese Seite erklärt außerdem, was Sie über Paarung, Eiablage und Legenot wissen sollten. Sie gehört zum Ratgeber Bartagame halten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geschlecht: Schwanz vorsichtig anheben. Zwei Wülste hinter der Kloake bedeuten Männchen. Fehlen sie, ist es eher ein Weibchen. Im Zweifel bestimmt die Tierarztpraxis.
  • Geschlechtsreif werden Bartagamen mit 1 bis 2 Jahren.
  • Ein Gelege kann bis zu 24 Eier enthalten, bis zu neun Gelege im Jahr sind möglich.
  • Weibchen brauchen eine Grabstelle zur Eiablage. Ein trächtiges Weibchen, das matt wird, gehört sofort in die Praxis.
  • Der Tierarzt Kempf rät, die Tiere einzeln zu halten und nur zur Paarungszeit zusammenzusetzen.

Männchen oder Weibchen erkennen

Am zuverlässigsten ist der Blick auf die Schwanzwurzel. Kempf beschreibt das Vorgehen aus der Praxis: Das Tier ruht auf der flachen Hand, der Schwanz wird etwa im rechten Winkel nach oben gehalten. Bei Männchen treten dann hinter der Kloake die beiden Hemipenes deutlich hervor, die paarigen Begattungsorgane. Gehen Sie dabei behutsam vor und biegen Sie den Schwanz nie mit Kraft. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie das Geschlecht bei der nächsten Untersuchung bestimmen.

Auch das Verhalten gibt Hinweise. Nach dem Animal Diversity Web der University of Michigan nicken Männchen schnell mit dem Kopf und färben dabei den Bart dunkel bis schwarz. Damit imponieren sie kleineren Rivalen und werben um Weibchen. Weibchen winken häufiger mit einem Vorderbein, um Aggressionen eines Männchens abzuwenden. Mehr zu diesen Signalen steht auf der Seite Bartagame Verhalten.

MerkmalWas es zeigt
Zwei Wülste an der Schwanzwurzel bei angehobenem Schwanz✓ sicherstes Zeichen für ein Männchen
Schnelles Kopfnicken mit dunklem, aufgeblähtem Bart! typisches Imponieren der Männchen
Langsames Winken mit einem Vorderbein! Beschwichtigung, oft von Weibchen gegenüber Männchen
Streit um Sonnenplätze! Männchen sind territorial, aber auch Weibchen können aggressiv werden
Zwei junge, schlanke Bartagamen sitzen hintereinander auf einem hellen Stein
Bei Jungtieren hilft das Verhalten noch wenig. Die Schwanzwurzel verrät das Geschlecht früher. Foto: TeeFarm / Pixabay

Männchen und Weibchen zusammen halten?

Züchter und Handel empfehlen oft ein Männchen mit zwei oder mehr Weibchen. Der Schweizer Tierschutz hält eine solche Haremshaltung für möglich, wenn die Tiere sich vertragen. Kempf sieht sie aus tiermedizinischer Sicht äußerst kritisch: In gemischten Gruppen ist der Druck auf die Weibchen sehr hoch. Spätestens beim dritten Gelege in Folge reichen ihre Kalziumreserven oft nicht mehr aus, um die Eier zu legen. Dazu kommen Paarungsbisse im Nacken, die bei wiederholten Bissen schlecht heilen.

Seine Empfehlung: Männchen und Weibchen einzeln halten und nur während der Paarungszeit zusammenbringen. Mehrere Männchen gehören nie zusammen. Wer mehrere Tiere gemeinsam hält, braucht laut Kempf ein Terrarium mit quadratischem Grundriss und mindestens 2 × 2 m Fläche.

Paarung, Eier und Nachwuchs

  • Geschlechtsreife: mit 1 bis 2 Jahren.
  • Paarungszeit: in Australien von September bis März. Im Terrarium kann es das ganze Jahr zu Paarungen kommen.
  • Gelege: bis zu 24 Eier pro Gelege, bis zu neun Gelege im Jahr. Weibchen können Sperma speichern und aus einer Paarung mehrere befruchtete Gelege legen.
  • Brutdauer: 55 bis 75 Tage bei 28,9 °C im Inkubator.

Bevor Sie Eier ausbrüten: Kempf weist darauf hin, dass der Markt mit Bartagamen übersättigt ist, besonders mit Männchen. Ein einziges Gelege kann bis zu 24 Eier enthalten, und jedes Jungtier braucht ein Zuhause für mehr als zehn Jahre.

Bartagame mit gezacktem Bart liegt auf einem Ast und dreht den Kopf zur Seite
Auch wer nur ein Weibchen hält, braucht eine Grabstelle im Terrarium. Foto: Scottslm / Pixabay

Eiablage und Legenot

Ein trächtiges Weibchen frisst oft nicht, bleibt aber wach, aktiv und aufmerksam. Das ist nach den Tierärzten von VCA normal. Anders bei einer Legenot: Das Weibchen kann die Eier nicht rechtzeitig ablegen, frisst nicht und wird schnell matt oder reagiert kaum noch. Ohne Behandlung endet eine Legenot oft tödlich.

Viele Fälle lassen sich durch gute Haltung verhindern. VCA nennt als Ursachen unter anderem fehlendes UV-Licht, falsche Temperaturen, eine ungeeignete Eiablagestelle, Mangelernährung und zu trockene Luft. Die RSPCA warnt vor Legenot bei Weibchen ohne Grabkiste. Kempf beschreibt zusätzlich die präovulatorische Legenot, bei der die Eier gar nicht erst den Eierstock verlassen und ein schneller Eingriff nötig ist. Er sieht die Paarung sogar als mögliche Vorbeugung dagegen, weil sie den Eisprung auslöst.

  • Bieten Sie jedem Weibchen eine Grabstelle mit grabfähigem Bodengrund an.
  • Kempf empfiehlt für legende Weibchen eine Sepiaschale im Terrarium als Kalziumquelle.
  • Achten Sie auf UV-Licht und richtige Temperaturen, wie im Ratgeber Terrarium und Technik beschrieben.

Wann zum Tierarzt?

  • Ein Weibchen mit dickem Bauch frisst nicht und wird matt, schwach oder teilnahmslos: sofort, Legenot kann tödlich sein.
  • Ein Weibchen gräbt immer wieder, legt aber keine Eier.
  • Bisswunden im Nacken heilen nicht oder werden wieder aufgebissen.
  • Sie möchten das Geschlecht eines Jungtiers sicher bestimmen lassen.

Häufige Fragen

Ab wann kann man das Geschlecht einer Bartagame erkennen?

Laut dem Tierarzt Hermann Kempf treten die Hemipenes der Männchen bei angehobenem Schwanz selbst bei frisch geschlüpften Jungtieren deutlich hervor. Sicherer ist die Bestimmung in einer Tierarztpraxis.

Brauchen Weibchen ohne Männchen eine Grabstelle?

Ja. Auch ohne Paarung können sich im Eierstock Eianlagen bilden. Kempf sieht die Paarung deshalb als mögliche Vorbeugung gegen die präovulatorische Legenot, und die RSPCA warnt vor Legenot bei Weibchen ohne Grabkiste.

Wie viele Eier legt eine Bartagame?

Bis zu 24 Eier pro Gelege und bis zu neun Gelege im Jahr. Die Jungen schlüpfen nach 55 bis 75 Tagen bei 28,9 °C.

Quellen

  1. Hermann Kempf (Tierarzt): Bartagamen in der Praxis – eine Einführung, news4vets 04/2021
  2. Animal Diversity Web, University of Michigan, J. Periat: Pogona vitticeps (Central Bearded Dragon)
  3. VCA Animal Hospitals, G. Rich, L. Hess, R. Axelson (DVM): Bearded Dragons: Problems
  4. RSPCA: Bearded dragon care
  5. BLV / Schweizer Tierschutz STS: Reptilien: Passende Gehege und die richtige Einrichtung (2018)

Mehr zum Thema: Bartagamen: die Übersicht

Weitere Themen